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Presseinformation



Monika Baer
Die Einholung

28. April – 16. Juni 2018
Eröffnung: Freitag 27. April, 18–21 Uhr
Öffnungszeiten: Di–Sa, 11–18 Uhr



Die Galerie Barbara Weiss freut sich, mit Die Einholung Monika Baers sechste Einzelausstellung zu präsentieren. Baer zeigt ein Ensemble bestehend aus drei Teilen, innerhalb dessen sie ihre Auseinandersetzung mit der Malerei – ihrer Geschichte und Möglichkeit – fortführt. Eine Gruppe gelber Arbeiten bildet zusammen mit einer Reihe großformatiger Pigmentbilder ein Gefüge, in dem die Konfrontation malerischer Idiome, die für Baers Werk charakteristisch ist, weiter verdichtet und zugespitzt wird.

Einen neuen Schritt in Monika Baers malerischen Untersuchungen stellen die gelben Gemälde mit filigraner Metallvorrichtung dar. Die farbliche Grundlage der Serie bildet ein Gelbton, der in jedem Bild chromatisch variiert wird, ebenso wie sich das Format mit jeder Arbeit ändert. Individuell gefertigte Verbindungsstücke aus poliertem Aluminium verschrauben jedes Bild mit der Wand. Das gegenständlich-narrative Motiv, mit dem in früheren Arbeiten die Aufrufung des monochromen Bildes gebrochen wurde, hat sich von der nunmehr leeren Oberfläche gelöst und wurde seitlich am Bild fixiert. Der Anforderung an das Tafelbild, als Ware mobil und verfügbar zu sein, wird ein Widerstand entgegengesetzt, der in seinem Selbstverständnis wie auch in seiner Wirkungslosigkeit absurd anmutet.

In großformatigen Arbeiten findet das Malerische als metamorphotisches Auflösungs- und Verdichtungsgeschehen statt. In schlierenhaften Formationen aus wässrig aufgetragenen Stein- und Metallpigmenten sind vereinzelt Spiegel eingefügt, Tropfenformen treten im Relief hervor. In diesem Spiel der Aggregatzustände werden die Verhältnisse umgekehrt, indem das Ephemere der Wassertropfen zur eigentlichen materiellen Verdichtung im Bild wird. Die Tropfen sind tatsächlich dreidimensionale Objekte, die wie Stuckattrappen auf die Bildoberfläche appliziert wurden, wodurch sich deren Struktur merklich von jener der gelben Bilder unterscheidet. Die Form der Tropfen erinnert an frühere motivische Elemente in Baers Arbeiten, an die Münzen, Wurstscheiben und Brüste, die bereits eine malerische Morphologie der Kreisform entwarfen.

Während Baers Verhältnis zur Malerei und zum Bild selbst stets als produktiver Problemzusammenhang auf der Bildoberfläche verhandelt wird, ist ihr Umgang mit dem Medium der Zeichnung direkter. Daher beziehen die Papierarbeiten einen gewissen Abstand zu den Leinwänden. Sie legen keine narrativen Fährten, sondern konfrontieren das Kulissenhafte der großen Formate und das als Sachlichkeit getarnte Dekor der unbetitelten gelben Bilder mit einer ihnen eigenen Theatralik.

In Die Einholung wird Baers Auseinandersetzung mit dem Bild weiter erprobt, sie wird ausgeweitet, in den Fokus genommen und aufgeführt. Die in der Ausstellung enthaltenen Werke verweisen in ihrer Formensprache und Komposition auf frühere Werkserien wie Baers Alkohol-Bilder (2013-2015) und die monochromen Arbeiten mit Schlüssellochmotiven von 2009. Doch sie entwerfen eine ganz neue Konstellation. Die Schmuckreliefs auf den Oberflächen der gelben Bilder sind präzise applizierte Spuren, in denen das Gestische als Phantom figuriert. Institutionelle Konventionen wie die Diebstahlsicherung werden zu einem narrativen Moment, das die abstrakte Komposition hintertreibt, während Tropfen sich als Wandschmuck materialisieren. Stand in den früheren Arbeiten auch das Verhältnis von Figuration und Abstraktion, Illusionismus und Literalität im Zentrum, sind es nun die Beziehungen der Malerei zu ihrem vermeintlichen Außen und Anderem – der Wand selbst, dem Dekor und den ökonomischen Systemen, in welchen die Arbeiten zirkulieren –, die auf eine direktere, eine brutalere Weise thematisiert werden. Dabei adressiert Baer ihre Themen nicht durch deren Festlegung, sondern gerade durch die Bewegung, welche sie die verschiedenen Elemente auf der Bildoberfläche durchlaufen lässt.




Press Release



Monika Baer
Die Einholung

April 28 – June 16, 2012
Opening Friday April 27, 6–9 pm
Gallery hours Tue–Sat, 11 am – 6 pm



Galerie Barbara Weiss is delighted to announce Monika Baer’s sixth solo exhibition, Die Einholung. Baer presents an ensemble consisting of three parts in which she further develops her engagement with the history and possibility of painting. A group of yellow pictures and a series of large-scale pigment paintings form a constellation that intensifies the confrontation of different painterly idioms characteristic of Baer’s work.

The works involving a yellow painting and a filigree metal device mark a new step in Baer’s painterly investigations. The yellow tone as well as the scale vary in each painting. In several works, furrows and traces literally fan out the picture plane, letting the paint materialize into discreet reliefs. The mounting elements, individually made of polished aluminium for each painting, are screwed directly into the wall. The object-like, narrative motif, which in earlier works fractured the reference of the monochrome, has been removed from the now empty picture plane and fixed at the side of the canvas. The demands made of panel painting as a commodity – mobility and availability – are confronted with a moment of resistance that appears absurd in its utter ineffectiveness.

In the large-scale pictures, painting takes place as a metamorphotic process of dissolution and densification. A mirror is inserted into painterly clouds based on the watery application of metal and stone pigments, while singular drops appear as reliefs on the canvas. In this game of aggregate states, relations are reversed, as the ephemeral nature of water becomes the actual material densification within the picture. The drops are three-dimensional objects that have been applied to the canvas like stuccowork. Their form is reminiscent of earlier elements in Baer’s work, of those coins, breasts and slices of sausage that already sketched a painterly morphology of the circular shape.

Whereas Baer’s relation to painting and the image is always negotiated and questioned as a productively problematic one, she employs drawing in a direct way. Therefore, the works on paper stand in a certain distance from the paintings. But instead of providing narrative clues, they confront the scenic character of the large paintings and the décor of the yellow canvases with their own theatric lure.

As in Monika Baer’s former work, Die Einholung puts the engagement with the image to a test, performing as well as extending the relation. With their formal language and compositional principles, the works on view connect with earlier series of the artist such as the alcohol paintings (2013-2015) and the monochrome works with key hole motifs from 2009. Yet they map out an entirely new constellation. The decorative reliefs on the canvas of the yellow pictures are precisely added traces, in which the gestural is conspicuous only as a phantom. Institutional conventions such as theft protection become a narrative moment that undermines the abstract composition, and drops materialize as wall decoration. Whereas in the earlier works the relation between figuration and abstraction, illusionism and literality was also decisive, now painting’s possible relation to its other and outside – the wall itself, the notion of decor, and the economic systems in which the works circulate – is thematized in a more direct and even brutal way. Yet, doing so, Baer does not address her themes by determining them, but rather through the movement that the different elements are made to undergo in her paintings.